Wind

Welche Bedeutung hat der Wind beim Fliegen (vom Boden abheben)?

Was ist Wind überhaupt?

Wind ist die Bewegung der Luft. Wind ist ein Begriff aus der Meterologie (Wetterkunde) und meint nur zielgrichtete Luftbewegungen in der Erdatmosphäre.

Auch wenn es sich so anfühlt und auch so genannt wird, handelt es sich beim Fahrtwind, nicht wirklich um Wind.

Übrigens, Luftströmungen in Räumen werden als Luftzug bezeichnet.

Interessant ist nun, wie der Wind entsteht. Im Märchen pustet ein großer Riese und das macht eine Menge Wind.

Im echten Leben entsteht Wind durch Druckunterschiede.

Die Sonne erwärmt den Boden. Über den Boden wird auch die darüberliegende Luft erwärmt.

Warme Luft steigt nach oben, darunter fehlt diese Luft nun der Luftdruck fällt. Der Wind gleicht diesen Druckunterschied aus.

Nach einem schönen sonnigen Tag haben sich Gewitterwolken gebildet, Regen fällt und die Temperatur fällt schlagartig um einige Grad. Die Luft zieht sich zusammen, der Luftdruck fällt. Zum Ausgleich wird die Luft aus der Umgebung angesaugt.

Welche Bedeutung hat der Wind beim Fliegen (vom Boden abheben)?

Zurück zum Fliegen, brauchen wir den Wind, um vom Boden abzuheben?

Vögel und Insekten brauchen den Wind nicht, sie fliegen sozusagen aktiv. Sie sind selbst der Antrieb. Samen mit Schirmchen benötigen den Wind.

Aber auch Heißluftballons benötigen den Wind zum Fliegen. Allerdings benötigen sie den Wind nicht, um "vom Boden abheben". Das vom Boden abheben funktioniert beim Heißluftballon durch die heiße Luft im Ballon. Diese Luft ist leichter als die umgebende Luft und somit steigt die Luft nach oben und nimmt den Korb unten mit. Wenn der Ballon ausreichend mit heißer Luft gefüllt ist kann der Ballon den Korb auch mit ein paar Passagieren tragen. Alllerdings fahren Ballonfahrer und fliegen nicht. Ich finde das ziemlich spitzfindig, aber wenn es nun mal so ist, dann ist es so.

Für Flugzeuge und Gleitschirme ist der Wind beim Abheben nicht unbedingt erforderlich, aber hilfreich. Um abzuheben muss genügend Auftrieb erzeugt werden. D.h. das Flugzeug muss eine hohe Geschwindigkeit realtiv zur umgebenden Luft erreichen. Gegenwind hilft, Rückenwind nicht!

Wind aus verschiedenen Richtungen

Rückenwind

Auch wenn man meinen könnte, dass man mit Rückenwind schneller abheben kann, weil man ja angeschoben wird, ist dies nicht richtig.

Die ganze Luft um uns herum bewegt sich ja auch. Wir müssen also zusätzlich zur normalen Startgeschwindigkeit auch noch die Windgeschwindigkeit kompensieren. Wenn wir davon ausgehen, dass bei Windstille 10km/h notwendig wären, so sind bei 10km/h Rückenwind 10 + 10 = 20 km/h nötig um abzuheben.

Dies ist zu Fuss als Gleitschirmflieger nahezu unmöglich. Motorisierte Gleitschirmflieger mit Propeller, sogenannte Ultralights, können das schon eher schaffen.

Ich selbst bin bei geringen Rückenwind schon gestartet, denn der Berg ist mein Freund

Beim Starten am Hang, kann man kurzfristig sehr stark beschleunigen, denn es geht bergab. Einfach ist es allerdings nicht.

Beim Fliegen selbst ist der Rückenwind hilfreich, unsere Geschwindigkeit über Grund ergibt sich als Summe unsere eigenen Geschwindigkeit (30-40 km/h) und der Windgeschwindigkeit. Bei 20km/h Rückenwind kommen wir also anderhalbmal soweit, wie ohne Wind! Länger dauert der Flug dadurch nicht. Bei Windgeschwindigkeiten oberhalb der maximalen Geschwindigkeit unseres Schirmes, sähe der Zugewinn an Strecke noch besser aus. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir auch wieder landen müssen. Mit über 60 Sachen wäre dies keine gute Idee. Wir landen immer gegen den Wind um die Geschwindigkeit über Grund so gering wie möglich zu halten, den wir müssen beim Landen die Aufgabe des Fahrwerkes von Flugzeugen, das "ausrollen" mit den Füßen übernehmen. Das bedeutet wir müssen etwa genauso schnell laufen, wie unser Gleitschirm über Grund fliegt. Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als die Geschwindigkeit unseres Gleitschirmes müssen wir den Unterschied rückwärtslaufend ausgleichen. Dies ist keine gute Idee. Wenn wir stolpern und hinfliegen zieht uns der Schirm über den Boden, bis wir schaffen den Schirm aus dem Wind zu nehmen. Verletzt am Boden liegend ist dies allerdings nicht leicht.

Gleitschirmfliegen ist ein Sport, ein Hobby es soll und darf Spass machen. Aber unsere Gesundheit wollen wir dabei nicht gefährden!

Und so habe ich an einem schönen windigen Tag am Strand von Fuerte Ventura ein paar Gleitschirmflieger gesehen, die ihre Schirme wieder eingepackt haben und statt desssen Baden gegangen sind. Einige konnten es allerdings nicht lassen und haben einen Drachen steigen lassen. Dieser Drachen hat es hoch hinaus geschafft und wir hatten - sicher am Boden - viel Spaß!

Gegenwind

Ein leichter Gegenwind bis ca. 10km/h ist ideal beim Start. Der Wind selbst liefert dem Gleitschirm genügend Auftrieb um abzuheben. Eine gute Beherschung des Fluggerätes ist Pflicht, denn wir wollen nicht versehentlich irgendwie abheben, sondern sicher!

Je größer der Wind, desto schwieriger wird der Start, denn wir haben keinen eigenen Antrieb und haben dem Wind nicht entgegen zu setzen. Bei sehr starkem Wind größer als die maximale Geschwindigkeit des Gleitschirms, müssen wir nicht mehr überlegen, ob ein Start möglich wäre, denn ein Start wäre sehr dumm. Der Wind würde uns rückwärts irgendwohin tragen, ohne dass wir nur den Hauch einer Chance hätten.

Seitenwind

Anders als Gleitschirmflieger, die in jedem Fall so starten, dass der "Seitenwind" von vorne kommt, können Flugzeuge nur so starten, wie die Startbahn gebaut ist. Der Pilot eines Flugzeuges muss unabhängig davon die Windverhältnisse beim Start berücksichtigen. Das ist nicht ganz so einfach, denn im Verlauf des Abhebens verliert der Flieger die Bodenhaftung. Einfach nur Gegenlenken beim Fahrwerk reicht nicht. Flugzeuge beitzen allerdings ein Seitenruder, welches zum Drehen des Flugzeuges verwendet wird. Damit kann bei Seitenwind gegengesteuert werden.

Beim Fliegen selbst, muss auch der Gleitschirmflieger mit dem Seitenwind klar kommen. Dafür wird ein Ziel angepeilt und entsprechend gegengesteuert. Leider wird durch das Gegensteuern die möglich Flugstrecke verkürzt, d.h. wir müssen abwägen wie weit wir fliegen können, um den Landeplatz sicher zu erreichen.

Seitenwind beim Landen, kurz vor dem Aufsetzen ist nicht gut, er macht die Landung kompliziert. Auf Landeplätzen steht allerdings auch immer ein Windsack. Für den Endanflug gilt: "schaust Du dem Windsack in sein Maul, dann ist irgendetwas faul"!

Die Landung erfolgt in einer Landevolte, die besteht aus meheren Teilen:

  • Gegenanflug
  • Queranflug
  • Endanflug

Flug zur Position

Noch bevor wir zur Position fliegen und die Landevolte einleiten checken wir den Wind. Welche Bedingungen bei der Landung zu beachten sind haben wir schon vor dem Start abgefragt und können so richtig laden. Wenn wir alleine auf dem Landeplatz sind, dann ist ja genügend Platz da und man kommt schon irgendwie runter. Aber an einem gutem Flugtag ist auch der Landeplatz stark besucht. Hier gilt es entsprechend Abstand zu halten und den anderen Fliegern nicht in die Flugbahn zu fliegen!

Wo sich die Position befindet, und wie die Landevolte zu fliegen ist haben wir bei der Landeplatzbehung vor dem Start natürlich ebenfalls abgefragt und verinnerlicht. An der Position müssen wir mit ausreichend Höhe ankommen, um eine Landevolte zu fliegen. Dies ist nicht immer ganz einfach und so wird die Position bei Unsicherheit lieber zu frü als zu spät angeflogen. An der Position dürfen wir die überschüssige Höhe durch Abkreisen abbauen. Erst wenn wir nun die gewünschte Höhe erreicht haben, leiten wir die Landevolte ein.

Gegenanflug, 1. Teil der Landevolte

Im Gegenanflug, mit dem Wind fliegen wir hinter den vorgesehenen Landepunkt, Dabei kontrollieren wir unsere Höhe über Grund und gehen entsprechend früher oder später in der Queranflug.

Queranflug, 2. Teil der Landevolte

Der Queranflug erfolgt rechtwinkling zum Gegenanflug und dient dazu nocheinmal die Höhe zu kontrollieren und ggf. mehr oder weniger Höhe abzubauen. Ist die benötigte Höhe über Grund erreicht wird der Endanflug eingeleitet.

Endanflugflug, 3. und letzte Teil der Landevolte

Der Endanflug ist der direkte Flug zum Landepunkt. Wer beim Gegen- und Endanflug gut aufgepasst hat und sein Höhe und die Windgeschwindigkeit richtig eingeschätzt hat, schafft auch eine Punktlandung!

Die Landung

Endlich wieder Boden unter den Füssen, nun aber nicht träumen, der Schirm hat noch etwas Geschwindigkeit gegenüber dem Boden und auch wenn wir den Schirm bereits abgebremst haben müssen wir je nach Windgeschwindigkeit ein paar Schritte mitlaufen, wenn wir nicht stolpern und vom Schirm über den Landeplatz gezogen werden wollen. Zuletzt muss der Schirm aus dem Wind genommen werden. Dazu wird er an den hinteren Gurten schnell nach unten gezogen.

Geschafft! Nun schnell alles zusammenraffen und zum Packplatz laufen, denn der nächste Flieger ist vielleicht schon im Landeanflug.

Punktlandung

In der Flugschule wird die richtige Landeeinteilung geübt. Um genau am gewünschten Punkt laden zu können ist viel Erfahrung nötig. Zum Üben wird auch mal ein Tuch auf den Boden gelegt. Wer es schafft auf dem Punkt (Tuch) zu landen ist der King! Aber auch hier gilt, lieber 2 Meter hinter dem Punkt landen, als eine Verletzung riskieren!

Bei Wettkämpfen wird die "Punktlandung" auf einem Fass bewertet. Das Fass selbst ist ein Luftkissen in Form eines Fasses auf einer breiten Unterlage. Die Landung auf einem solchen Fass ist durchaus nicht einfach! Dafür ist dies aber sehr lustig anzusehen für die Besucher.

böiger Wind

Oft ist der Wind auch böig, dies passiert z.B. nach Hindernissen, weil die Luftschichten verwirbelt werden. Man spricht dabei auch vom Lee-Wind. Der Wind nach dem Hindernis ist unberechenbar. Gleitschirmflieger vermeiden das Lee.

Bei großflächig böigem Wind, z.B. bei Fön oder bei Gewitterregen in der näheren Umgebung, bei dem zum Teil böige Ausgleichswinde erwartet werden, starten Flieger nicht. Dies gilt auch für Vögel. Vögel spüren die Gefahr.

Große Passagierflugzeuge fliegen allerdings auch bei Fön und Gewitterlagen. Dies ist möglich durch die starre Bauweise und den starken Antrieb. Allerdings sind auch große Passagierflugzeuge ganz besonders beim Start und bei der Landung nicht ganz unempfindlich gegen Wind.

Und so kann es passieren, dass bei Unwetter Flüge ausfallen oder verschoben werden. Manchmal wird auch ein anderer Zielflughafen angeflogen. Denn auch bei den großen Fliegern gilt: Sicherheit geht über alles andere!

Fallwind

Was rauf geht, muss auch wieder runter. Das bedeutet, dass Winde, die durch ein Hindernis nach oben umgelenkt werden, hinter dem Hindernis wieder fallen. Fallwinde sind nicht nur für Gleitschirmflieger gefährlich. Allerdings treten Fallwinde nur nach entsprechend großen Hindernissen auf und sind als Gefahrenquelle rechtzeitig erkennbar. Dies gilt zumindest für Meterologen und Fluglehrer. Kein verantwortungsbewusster Gleitschirmflieger würde einen Flug planen ohne Kenntnis des Flugwetters und der möglichen Gefahrenquellen.

Aufwind

Druckausgleich findet allerdings nicht nur horizontal statt, auch vertikal kann es zu Winden kommen. Aufwinde treten z.B. bei Umlenkungen des Windes in den Bergen auf, diese nennt man auch Hangaufwind. Aufwinde entstehen auch thermisch durch Sonneneinstrahlung. Die aufgewärmte Luft ist leichter und steigt nach oben. Als Gleitschirmflieger möchten wir da gerne einsteigen. Der Aufwind hilft uns länger in der Luft zu bleiben.

Vorsicht, nicht übermütig werden!

Zuviel des Guten kann aber auch gefährlich werden.

Wenn sich im Sommer große Wolken bilden und die Wolke sich zu einer Gewitterwolke wandelt, wird der Aufwind unter der Wolke so stark, dass er den Gleitschirmflieger in die Wolke einsaugen kann.

Erfahrene Flieger achtens deshalb steht aus die Veränderung der Wolken. Im Zweifel gilt: sicher landen ist wichtiger als alles andere!

Zusammenfassung

Wind ist für das Fliegen nicht erforderlich. Flugzeuge und Flieger ohne eigenen Antrieb benötigen allerdings Aufwind, wenn sie längere Zeit in der Luft bleiben wollen.

Für alle Flieger ist es sehr wichtig den Wind und die Wingeschwindigkeiten zu kennen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.